Bild: MonicaMaxWest (Pixabay)

Als neulich ein Gastdozent unsere Stunde besucht hatte und dabei nur so von künstlicher Intelligenz schwärmte, haben wir uns im PC-Kurs dem Thema auch angenähert und dabei einen kleinen Überblick verschafft.

Nachdem Martina und ich beim Spaziergang heute in der Gemarkung auf einem Feldweg eine Wildspur entdeckt haben, die wir nicht eindeutig zuordnen konnten, habe ich mal die KI (Künstliche Intelligenz) befragt, um ein praktisches Beispiel durchzuspielen.

In meinem Fall bin ich auf die Seite https://gemini.google.com  gegangen und habe meine Frage gestellt.
Gemini ist die künstliche Intelligenz von Google, bei Microsoft heißt sie Copilot, bei Apple Siri und bekannt ist auch ChatGPT; daneben gibt es noch eine Unzahl weitere.
Diese Fragen heißen bei den KIs Prompt. Sie sollten in natürlicher Sprache abgefasst werden im Gegensatz zu Schlagwörtern, die bei Suchen per Suchmaschine eingegeben werden.

Nachfolgend der 'Dialog' mit der Maschine:

Heute haben wir im Rheingau eine sonderbare Wildspur gesehen. Es war ein Abdruck etwa so groß wie von einem mittelgroßen Hund. Das Erstaunliche war, daß da 5 Zehen waren. Welches Tier kann das gewesen sein?

Das ist eine spannende Beobachtung! Dass Sie die fünf Zehen so deutlich gesehen haben, ist der entscheidende Hinweis.

Hunde, Wölfe und Füchse (Caniden) hinterlassen nämlich fast immer nur vier Zehenabdrücke. Wenn die Spur etwa so groß wie die eines mittelgroßen Hundes war (ca. 7–10 cm breit) und fünf Zehen sowie kräftige Krallen zeigte, kommt eigentlich nur ein Hauptverdächtiger infrage:
Der Dachs (Meles meles)

Der Dachs ist der "Bär" unserer Wälder und im Rheingau sehr verbreitet. Seine Spur ist unter Experten und Jägern absolut ikonisch:

  • Fünf Zehen: Im Gegensatz zum Hund drücken sich beim Dachs alle fünf Zehen ab.
  • Nagelabdruck: Besonders markant sind die langen Grabkrallen der Vorderpfoten. Sie hinterlassen oft deutliche Abdrücke, die ein Stück vor den eigentlichen Zehenballen liegen.
  • Breiter Ballen: Der Hauptballen ist sehr breit und fast gerade – man nennt das auch "nierenförmig".
  • Erscheinungsbild: Die Spur wirkt insgesamt sehr massiv und "breitpfotig", fast wie ein kleiner Bärenabdruck.

Andere Möglichkeiten (und warum sie es eher nicht waren):

Waschbär: Er hat zwar auch fünf Zehen, aber seine Spur sieht eher aus wie eine kleine menschliche Hand mit sehr langen, gespreizten Fingern. Zudem ist sie deutlich kleiner (ca. 4–6 cm) als die eines mittelgroßen Hundes.
Biber: Falls Sie in der Nähe des Rheins oder eines Bachlaufs waren: Biber haben fünf Zehen und sehr große Hinterpfoten (bis 15 cm), aber meist sieht man dort auch die Schleifspur des Schwanzes oder Schwimmhäute.
Marderhund (Enok): Er wandert zwar ein, hat aber (wie der Fuchs) meist nur vier sichtbare Zehen im Abdruck.

Kleiner Tipp zur Bestimmung:

Wenn Sie die Spur noch einmal sehen: Achten Sie darauf, ob die Krallenabdrücke sehr lang sind. Wenn ja, war es definitiv ein Dachs, der nachts auf Futtersuche war. Dachse nutzen oft über Generationen hinweg dieselben Pfade (sogenannte "Dachspässe"), es ist also gut möglich, dass Sie dort öfter fündig werden.

Hatten die Abdrücke denn eher lange Krallen oder wirkten die Zehen eher wie lange Finger?

Es waren lange Zehen. ALso wahrscheinlich ein Abdruck eines Dachses

Das passt perfekt ins Bild! Wenn die Zehenabdrücke im Vergleich zum Ballen recht lang wirken und deutlich fünf an der Zahl waren, haben Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Fährte eines Dachses gefunden.
Hier noch ein paar Details, die Ihre Vermutung untermauern:
 Die "Nagel-Reihe": Beim Dachs stehen die Krallen der Vorderpfoten oft fast wie an einer Perlenschnur aufgereiht nebeneinander. Da Dachse Sohlengänger sind, wirkt der Abdruck oft sehr "satt" und schwer in den Boden gedrückt.
 Der "Schritt": Da Dachse einen etwas untersetzten, watschelnden Gang haben, liegen die Abdrücke oft leicht versetzt zueinander, nicht so schnurgerade hintereinander wie beim "Schnüren" eines Fuchses.
Im Rheingau mit seinen Mischwäldern und Weinbergen fühlen sich Dachse pudelwohl. Sie sind zwar dämmerungs- und nachtaktiv, aber ihre "Autobahnen" (die Dachspässe) sind tagsüber oft leicht an den tiefen Krallenspuren im weichen Waldboden oder in der Nähe von Weinbergsmauern zu erkennen.
Ein toller Fund! Es ist gar nicht so oft, dass man alle fünf Zehen so klar identifizieren kann – meistens ist der Boden dafür zu hart oder zu trocken.
Haben Sie die Spur eher oben im Wald (Richtung Taunuskamm) oder direkt an den Hängen der Weinberge entdeckt?

Es war weit oben im Taunus und der Boden war naß, deshalb auch der deutliche Abdruck.

Das erklärt natürlich, warum der Abdruck so perfekt konserviert war! Nasser Waldboden im hohen Taunus ist wie ein Stempelkissen für Wildtiere.

Hier habe ich dann abgebrochen, weil meine Frage ja beantwortet wurde.

Erstaunlich, wie gut das funktioniert hat. Wird mich aber nicht daran hindern, weiterhin mein eigenes Hirn zu gebrauchen....